top

Wortwechsel

„Vertrauen entsteht nicht durch Appelle“  

„Wortwechsel“ im Sommer im Bausparhaus in Berlin. Im Fokus der Dialogreihe diesmal die Generation Zukunft mit ihren Wünschen und Erwartungen an das Leben und die Politik sowie ihrer kritischen Sicht auf das, was gegenwärtig nicht gut läuft.

„Viele junge Menschen blicken trotz Krisen, Kriegsgefahr, wirtschaftlicher Unsicherheit und Sorge um ihre spätere Rente mit Zuversicht auf das Leben“, nahm Christian König eingangs das Fazit der aktuellen hauseigenen Studie dazu vorweg. Ihr Titel: „Generation Zuversicht“.

Kein naiver Optimismus

Diese Zuversicht sei aber kein naiver Optimismus. „Junge Menschen sehen sehr genau, was in unserem Land nicht gut läuft. Sie machen sich Sorgen um den Frieden, die Handlungsfähigkeit der Politik, bezahlbares Wohnen und ihre finanzielle Sicherheit im Alter“, so der Hauptgeschäftsführer des Bausparverbandes.

Was die Studie nach seinen Worten ebenso zeigt: Viele junge Menschen sind leistungsbereit, wollen etwas aus ihrem Leben machen, beruflich erfolgreich sein, eine Familie gründen, gut und sicher leben. Und sie glauben daran, dass Anstrengung und Leistung das ermöglichen können.

Wohnen als Gradmesser

Eine Gesellschaft, die von jungen Menschen Eigenverantwortung erwarte, müsse ihnen aber auch echte Chancen eröffnen auf Aufstieg, Sicherheit, auf ein selbstbestimmtes Leben. Besonders sichtbar wird das, wie König hervorhob, beim Thema Wohnen und dem starken Wunsch der jüngeren Generation nach Wohneigentum, unter heute deutlich schwierigeren Bedingungen. Wohneigentum dürfe deshalb nicht allein davon abhängen, „ob man erbt oder Unterstützung aus der Familie bekommt“. Das sei nicht nur eine wohnungspolitische, sondern eine gesellschaftliche Frage. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Sorgen vieler junger Menschen, ob ihre spätere Rente beziehungsweise ihre Rücklagen im Alter reichen werden.

Anliegen ernst nehmen

„Auch das sollten wir ernst nehmen.“ Selbstgenutztes Wohneigentum könne ein wichtiger Baustein privater Vorsorge sein. Ein weiteres Ergebnis der Studie, auf das König einging: Junge Menschen interessieren sich für Politik, fühlen sich jedoch von ihr nicht ausreichend berücksichtigt. Das Vertrauen in Parteien, in die Bundesregierung und auch in die Unternehmen sei gering. Seine Schlussfolgerung: „Vertrauen entsteht nicht durch Appelle. Vertrauen entsteht, wenn Menschen erleben, dass ihre Anliegen ernst genommen werden, wenn aus Ankündigungen konkrete Verbesserungen werden.“ – Ein Aspekt, der dann auch wiederholt von den Wortwechslern auf dem Podium kritisch aufgegriffen wurde.

Falscher Eindruck

Dass Anstrengung allein entscheidend sein soll für Erfolg, bezweifelte Katharina Schenk, Familienministerin in Thüringen. Durch Debatten über „Lifestyle-Teilzeit“ und dass man einfach „mal die Hacken zusammenschlagen“ müsse, werde dieser Eindruck jedoch erweckt. „Wir stellen fest, dass viele Leute sehr engagiert ‚die Hacken zusammenschlagen‘, indem sie sich um Kinder, Pflegebedürftige und ihre eigene Karriere kümmern, und trotzdem nicht den großen Erfolg haben“, so die SPD-Landespolitikerin in ihrer Replik auf gängige Narrative.

Unterschiedliche Ausgangsposition

Das habe mit Verdienstoptionen zu tun, aber auch schlicht mit Mobilität und Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden. Die Möglichkeiten für junge Leute in der Großstadt seien da ganz andere als etwa für jemanden in einem kleinen Ort im thüringischen Eichsfeld. Auch für junge Leute aus dem Osten mit Transformationserfahrung und junge Menschen aus dem Westen der Republik stelle sich die Ausgangssituation verschieden dar. „Im Osten musste man von null anfangen und eine Biografie, die entwertet wurde, wieder neu aufbauen.“

Das Aufstiegsversprechen hänge nicht nur von der individuellen Leistung ab. Der Staat müsse den Rahmen dafür schaffen. „Damit die eigene Anstrengung Erfolg hat, dafür braucht man schon ein Sprungbrett.“

Falsches Bild

In diesem Sinne plädierte die Thüringer Familienministerin für eine Ausbildungsgarantie und verband diese Forderung mit konkreten Zahlen: In Thüringen sind demnach zehn Prozent der jungen Leute ohne Schul- oder Berufsabschluss. „Und unsere einzige politische Antwort darauf ist: Die haben sich nicht genug angestrengt.“ Das sei – wie die Studie ja auch eindrucksvoll belege – ein sehr falsches Bild von der jungen Generation. „Die sind gar nicht so, wie wir andauernd behaupten: politikverdrossen, desinteressiert und faul. Die haben ganz offensichtlich schwierige Startbedingungen.“ Auch das Startkapital junger Menschen in Bezug auf die Altersvorsorge sei in Ostdeutschland deutlich geringer. Man dürfe Leute nicht dafür „bestrafen, dass sie eine Transformationserfahrung gemacht haben“.

Und mit Bezug auf den Wohneigentumswunsch der jungen Generation befand sie: Sich ein Eigenheim anzuschaffen müsse auch möglich erscheinen, sei aber oft schon für einen Akademikerhaushalt mit nur einem Kind utopisch.

Zwischen Herausforderung und Überforderung

Auch im Vergleich mit anderen Ländern zieht Deutschland beim Wohneigentum den Kürzeren. Darauf wies Lisa Paus hin. Dabei sei dies – und das sollte nach ihren Worten auch von politischer Seite kommuniziert werden – die beste Absicherung fürs Alter.

Chancengleichheit, unabhängig von der Herkunft: Dazu leisteten der Kita-Ausbau der letzten Jahrzehnte sowie die Ganztagsschule und Ganztagsbetreuung einen wichtigen Beitrag. Wenngleich an der Qualität weiter gearbeitet werden müsse, bilanzierte die Bundestagspolitikerin der Bündnisgrünen an dieser Stelle gleichzeitig auch einen Teil der eigenen Regierungsarbeit als Bundesfamilienministerin von 2022 bis 2025. Gleichzeitig räumte sie auch Fehler der Regierungskoalition durch Überforderung „der normalen Leute“, etwa beim „Heizungsgesetz“, ein. Warb aber auch um Verständnis für „überforderte Politiker“ in „herausfordernden Zeiten“.

Politik mit Augenmaß

Trotzdem: Man dürfe die Leute „nicht für einen kurzfristigen vermeintlichen Geländegewinn ‚hinter die Fichte‘ führen. Sondern man muss durchgängig glaubwürdig bleiben“. Um Vertrauen zurückzugewinnen, müsse man die Hauptkritikpunkte analysieren und die Politik entsprechend ausrichten. „Deswegen haben wir jetzt seit einem Jahr bei allen Anträgen im Parlament sehr konsequent darauf geschaut, dass es so umsetzbar und für die Menschen bezahlbar ist.“

Versprechen einhalten

Die Glaubwürdigkeit der Politik war gleichermaßen ein Punkt von Kritik und Selbstkritik von Caroline Bosbach. „Woran krankt es derzeit am meisten? – Wir können nicht das einhalten, wofür wir stehen“, so die CDU-Bundestagsabgeordnete. Schuldenbremse, Zweckentfremdung, Schulden als Steuerbelastung von morgen für die junge Generation nannte sie in diesem Zusammenhang – und Generationengerechtigkeit. „Dieses Buzzword, was wir in jeder Sonntagsrede benutzen, muss mit Leben erfüllt werden“, betonte die Bundestagspolitikerin.

Nationale Strategie nötig

Für die Generation ihrer Eltern und Großeltern sei es immer nach vorn gegangen. „Heute haben viele Menschen den Eindruck, sie haben mehr zu verlieren, als sie gewinnen können.“ Diese Grundstimmung in Gesellschaft und Wirtschaft übertrage sich auf die jungen Leute und sorge für eine große Verunsicherung – wie geht es weiter? „Die einzige Antwort – ‚strengt euch einfach noch mehr an‘ – wird deshalb nicht reichen.“ Sie wünsche sich hier eine nationale Strategie: „Verbesserungen, die wir versprochen haben, müssen endlich in Realpolitik umgesetzt werden.“ Dafür werde sie sich einsetzen.

Pflicht zur Zuversicht

„Es gibt nicht nur eine Generation ‚Zuversicht‘. Es gibt auch eine Pflicht für alle zur Zuversicht, zum begründeten Optimismus“, so abschließend Dr. Daniel Dettling vom Institut für Zukunftspolitik, Autor der Studie. Das sei insbesondere die Verantwortung der Älteren. Die Geschichte der modernen Zivilisation habe immer gezeigt: „Man kann aus Krisen lernen und gestärkt daraus hervorgehen. Man hat es selber in der Hand.“ Und über dieses Mindset verfüge die Gesellschaft auch.

Fotos: VdPB