Editorial
Ausgabe September | 3-2026
Wohneigentum besser ermöglichen
Der Wunsch nach Wohneigentum ist groß und er wächst weiter. Unsere aktuelle Sommerumfrage zeigt: 38,8 Prozent der Menschen sparen inzwischen für den Erwerb oder die Renovierung der eigenen vier Wände. Vor einem Jahr waren es noch 33 Prozent. Gleichzeitig werden die Spielräume zum Sparen enger. Das zeigt auch unser Sparklima-Index: Er ist erstmals seit dem Frühjahr 2025 wieder negativ – die Zurückhaltung beim Sparen nimmt also zu.
Hieraus zeigt sich ein Spannungsfeld, das uns beschäftigen muss: Der Wunsch nach Eigentum besteht. Die Verwirklichung wird jedoch zunehmend schwieriger. Deutlich wird das auch darin, dass die Wohneigentumsbildung in Deutschland stagniert, in jüngeren Zielgruppen sogar rückläufig ist.
Dabei geht es um mehr als die Frage, wie Menschen wohnen wollen. Wohneigentum ist zugleich Vermögensbildung und Altersvorsorge. Wer über viele Jahre ein Immobiliendarlehen tilgt, baut Schritt für Schritt Vermögen auf. Und wer im Alter in einer abbezahlten Immobilie lebt, spart Monat für Monat Miete. Im Durchschnitt 799 Euro. Das schafft im Ruhestand spürbar mehr finanziellen Spielraum.
Gerade deshalb sollte Wohneigentum bei der Reform der privaten Altersvorsorge zwingend mitgedacht werden. Altersvorsorge findet nicht nur auf dem Konto, im Depot oder in einer Versicherung statt. Auch das eigene Zuhause gehört dazu.
Die eigentliche Hürde liegt heute häufig schon vor dem Kauf: beim Eigenkapital.
Jüngere Haushalte müssen deutlich länger sparen als frühere Generationen. Nur knapp sechs Prozent der jüngeren Mieterhaushalte verfügen derzeit über genügend Eigenkapital, um Wohneigentum erwerben zu können.
Wer politisch mehr Menschen den Weg ins Wohneigentum ebnen will, muss deshalb schon beim Sparen ansetzen. Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmer-Sparzulage sind dafür bewährte Instrumente. Auch die Eigenheim-Rente muss bei der anstehenden Reform der privaten Altersvorsorge angemessen berücksichtigt und weiter gestärkt werden.
Doch für Wohneigentum spricht auch der Blick auf den Wohnungsmarkt. Selbstgenutztes Eigentum schafft nicht nur Vermögen und Vorsorge. Es kann auch Bewegung in den Wohnungsmarkt bringen, wenn durch Umzüge Mietwohnungen frei werden. Wohneigentum und Mietwohnungsbau sind deshalb keine Gegensätze. Gute Wohnungspolitik braucht beides.
Die Menschen wissen, wofür sie sparen wollen. Jetzt geht es darum, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass sich auch Normalverdiener den Wunsch nach den eigenen vier Wänden wieder erfüllen können.
Bernd Hertweck
Vorsitzender des Verbands der Privaten Bausparkassen
