Editorial
Ausgabe März | 1-2026
Warum Altersvorsorge mehr ist als Rendite
Die Debatte über die Zukunft der Altersvorsorge hat zuletzt deutlich an Fahrt aufgenommen, nicht zuletzt durch die geplante Reform der privaten Altersvorsorge. Diskutiert wird über Rentenniveau, Kapitaldeckung und neue Anlageformen. Das ist richtig und wichtig. Doch ein zentraler Aspekt bleibt in der öffentlichen Diskussion oft außerhalb der Betrachtung: die Wohnkosten im Alter.
Schon heute zeichnet sich ab, dass viele Menschen künftig nicht nur mit einer geringeren Rente rechnen müssen, sondern gleichzeitig weiterhin Miete zahlen. In vielen Regionen steigen die Wohnkosten seit Jahren deutlich. Wer im Alter zur Miete wohnt, ist damit doppelt gefordert.
Wohneigentum ist vor diesem Hintergrund weit mehr als eine individuelle Lebensentscheidung. Gerade in der aktuellen Reformdiskussion wird jedoch häufig unterschätzt, welche Rolle selbstgenutztes Wohneigentum für die finanzielle Stabilität im Alter spielt. Es ist ein entscheidender Baustein für finanzielle Stabilität im Alter. Wer im Ruhestand mietfrei lebt, hat Monat für Monat spürbar mehr finanziellen Spielraum. Im Durchschnitt entspricht das rund 799 Euro, ein Betrag, der für viele Haushalte den Unterschied macht (empirica / VdPB).
Gleichzeitig zeigt sich eine gegenläufige Entwicklung: Die Wohneigentumsquote in Deutschland liegt bei unter 44 Prozent und ist damit die niedrigste in der EU (Eurostat). Besonders deutlich ist der Rückgang bei jüngeren Haushalten. In der Altersgruppe unter 35 Jahren lebt nur noch ein sehr kleiner Teil im Eigentum. Zugleich verfügen laut Studien nur rund 6 Prozent der 30- bis 44-jährigen Mieter über ausreichend Eigenkapital, um Wohneigentum zu erwerben (empirica).
Damit droht sich eine strukturelle Schieflage zu verfestigen. Wohneigentum war über Jahrzehnte ein zentrales Aufstiegsversprechen. Wenn dieser Weg für breite Bevölkerungsschichten versperrt bleibt, hat das langfristige Folgen für die Vermögensverteilung, die soziale Stabilität und die Tragfähigkeit der Altersvorsorge insgesamt.
Wenn wir Altersvorsorge ganzheitlich denken, müssen wir diese Entwicklung stärker in den Blick nehmen. Es geht nicht um ein Entweder- oder zwischen Miete und Eigentum oder zwischen gesetzlicher Rente und privater Vorsorge. Es geht um die richtige Balance. Ein wichtiger Schritt wäre deshalb die zügige Verabschiedung und Umsetzung der privaten Altersvorsorge einschließlich der Eigenheimrente. Entscheidend wird sein, Wohneigentum dabei als gleichwertigen Bestandteil der Altersvorsorge mitzudenken und den Zugang gezielt zu erleichtern.
Denn eines bleibt: In einen ETF kann man investieren. Aber man kann nicht darin wohnen.
Bernd Hertweck
Vorsitzender des Verbands der Privaten Bausparkassen