Editorial
Ausgabe Juni | 2-2026
Warum Wohneigentum Teil der Lösung ist
Die Wohnungskrise in Deutschland wird häufig vor allem als Mietmarktkrise beschrieben. Das ist verständlich. In vielen Städten fehlen bezahlbare Wohnungen, die Mieten steigen, und viele Haushalte suchen lange nach einem passenden Zuhause. Doch wer nur auf den Mietmarkt schaut, sieht nur einen Teil des Problems.
Der diesjährige Bauspartag in Berlin hat gezeigt, wie wichtig eine breite Perspektive für die wohnungspolitische Debatte ist. Mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Bauwirtschaft und Bausparkassen wurde deutlich: Wohneigentum ist nicht das Gegenmodell zum Mietwohnungsbau. Es ist ein wichtiger Teil der Lösung.
Denn Wohnen braucht beides: ausreichend Mietwohnungen und mehr Chancen auf selbstgenutztes Wohneigentum. Wenn Menschen den Schritt in die eigenen vier Wände schaffen, entlastet das nicht nur sie selbst. Es kann auch Bewegung in angespannte Wohnungsmärkte bringen, weil Mietwohnungen frei werden und Umzugsketten entstehen.
Der Wunsch nach Wohneigentum ist weiterhin groß. Eine aktuelle forsa-Befragung im Auftrag unseres Verbands zeigt: 73 Prozent der 20- bis 49-Jährigen ohne Immobilie würden grundsätzlich lieber in den eigenen vier Wänden wohnen. Bei den unter 30-Jährigen sind es sogar 79 Prozent. Gleichzeitig sagen 86 Prozent, dass Wohneigentum heute schwerer erreichbar ist als noch vor fünf Jahren.
Genau hier liegt die Schieflage: Der Wunsch ist da, aber die Rahmenbedingungen stimmen für viele Menschen nicht mehr. Hohe Baukosten, lange Verfahren, umfangreiche Vorgaben, steigende Erwerbsnebenkosten und vor allem die Eigenkapitalhürde machen den Erwerb schwer. Nur knapp 6 Prozent der 30- bis 44-jährigen Mieterhaushalte verfügen derzeit über ausreichend Eigenkapital, um eine regionaltypische Immobilie finanzieren zu können.
Deshalb reicht es nicht, nur Symptome zu lindern. Bauen muss einfacher, schneller und günstiger werden. Der Gebäudetyp E kann dafür ein wichtiger Schritt sein, wenn er tatsächlich mehr Pragmatismus ermöglicht. Auch die angekündigten Beschleunigungen im Planungs- und Baurecht müssen jetzt in der Praxis ankommen.
Zugleich müssen wir Eigentumsbildung wieder stärker als gesellschaftspolitische Aufgabe verstehen. Wenn Wohneigentum nur noch für sehr hohe Einkommen erreichbar ist, geht ein zentrales Aufstiegsversprechen verloren. Das betrifft nicht nur einzelne Haushalte, sondern auch die Vermögensbildung in der Breite und die finanzielle Stabilität im Alter.
Denn Wohneigentum ist immer auch Altersvorsorge. Wer im Ruhestand mietfrei wohnt, hat dauerhaft geringere Fixkosten. Wohneigentum ersetzt keine Rente. Aber es stabilisiert die Lebenshaltungskosten und schafft Vermögen.
Die zentrale Aufgabe bleibt: Wohneigentum muss für Normalverdiener wieder erreichbarer werden.
Bernd Hertweck
Vorsitzender des Verbands der Privaten Bausparkassen