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Sparklimaindex

Sparklima – Das Sparverhalten der Bundesbürger

Das Marktforschungsinstitut Kantar GmbH fragt drei Mal jährlich im Auftrag des Verbands der Privaten Bausparkassen seit 1997 die Deutschen nach ihrem Sparverhalten. Die Ergebnisse der 74. Umfrage im März 2022 liegen nun vor.

Bei dieser repräsentativen Befragung von 2.006 Bundesbürgern, die jeweils im März, Juni sowie Oktober eines jeden Jahres stattfindet, wurden folgende Fragen gestellt:

  • Sparen Sie für einen bestimmten Zweck und wenn ja, wofür?
  • Welche Absichten bestehen für Sie für das zukünftige Sparverhalten?
  • Welche Gründe gibt es für Sie für ein steigendes oder
    sinkendes Sparverhalten in der Zukunft?

1.   Sparer/Nichtsparer

Auch Anfang 2022 liegt der Anteil der Deutschen, die für einen bestimmten Zweck sparen, mit aktuell 42,4 Prozent auf einem für den Jahresanfang ungewöhnlich niedrigem Niveau und setzt damit die sinkende Tendenz fort (im Vergleich zum März 2021: -1 Prozentpunkt, zum März 2020 – 4,3 Prozentpunkte), steht somit auf gleichem Niveau wie zur von der Urlaubszeit geprägten Juni-Welle.

Die Quote derjenigen, die für einen bestimmten Zweck sparen, liegt am höchsten mit 57,8 Prozent bei den 14-29jährigen, was einer Steigerung von 5 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Auch die 30-39jährigen sind hier mit 54,9 Prozent hochanteilig vertreten. In der Spanne zwischen 40 bis 59 Jahren liegt der Anteil Zwecksparer bei 41,6 Prozent, ab 60 Jahren sinkt er auf 27,9 Prozent.

Die Sparquote nimmt mit steigender Schulbildung zu und hängt erwartungsgemäß auch stark von der Einkommenssituation ab. Frauen sparen tendenziell mehr als Männer (44,7 Prozent vs. 40,1 Prozent), hinsichtlich Ost und West ist der Unterschied gering (42,6 Prozent West vs. 41,2 Prozent Ost).

2. Sparziele

SParziele1/223/212/211/213/202/201/20
Altersvorsorge: 59,454,849,854,856,054,354,7
Konsum/Anschaffungen 
(Autokauf o. ä.):
53,455,653,349,752,344,854,3
Erwerb/Renovierung von Wohneigentum:44,238,338,945,044,242,242,0
Kapitalanlage:33,429,026,626,728,527,230,7
Notgroschen/Reserve:5,06,15,97,16,17,45,8
Ausbildung der Kinder:3,82,51,92,74,02,52,1
Sonstiges:6,49,15,45,28,54,76,3

(Die Summe dieser Anteile ergibt mehr als 100 %, da die Befragten teilweise mehrere Sparziele angaben.)

„Altersvorsorge“ wird als Sparziel nun wieder häufiger als „Konsum“ genannt, weiterhin gefolgt von „Wohneigentum“ auf Rang 3.

„Altersvorsorge“ gewinnt sowohl im Vorwellen-, als auch Jahresvergleich an Bedeutung (+4,6 Prozentpunkte). „Konsum“ fällt erwartungsgemäß im Vergleich zur Oktoberwelle, liegt jedoch 3,7 Prozentpunkte über dem Anteil des Vorjahreswertes. „Wohneigentum“ gewinnt nach dem Einbruch im Juni (38,9 Prozent) und Oktober (38,3 Prozent) mit nun 44,2 Prozent kräftig an Bedeutung und liegt wieder auf Vorjahresniveau.

„Kapitalanlage“ gewinnt mit 33,4 Prozent an Bedeutung und liegt mit +6,7 Prozentpunkten über dem Vorjahreswert und legt gegenüber der Herbstbefragung um 4,4 Prozentpunkte zu.

Die Sparzwecke korrelieren mit der Zugehörigkeit zu einer Altersgruppe. Unter 30 Jahre liegt das Augenmerk auf Konsum (gut 16 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt), ab 30 Jahre kehrt sich das Verhältnis in Richtung Altersvorsorge. Unter allen Altersgruppen wird die „Altersvorsorge“ bei den 50-59jährigen am häufigsten als Sparziel genannt (78,9 Prozent, rund 20 Prozentpunkte über Bundesdurchschnitt). Bei den über 60jährigen liegt der Wert wieder darunter (54,3 Prozent).

Erwerb und Renovierung von Wohneigentum ist in der Gruppe der 30-39jährigen mit 58,1 Prozent am höchsten, gefolgt von den 40-49jährigen mit 49,6 Prozent, was rund 6 Prozentpunkte über dem Bundesdurchschnitt liegt. In den gleichen beiden Altersgruppen sind Kapitalanlagen mit 40,1 bzw. 44,1 Prozent hoch im Kurs, dieser Anteil sinkt rapide mit Erreichen von 60 Jahren auf nur mehr 24,4 Prozent.

Befragte mit Abitur / Studium haben mit 51,7 Prozent einen ungleich höheren Anteil an zweckgebundenem Sparen für den Erwerb oder die Renovierung von Immobilien als Befragte mit mittlerem Bildungsabschluss (45,1 Prozent) oder Volks-/Hauptschulabschluss (36,3 Prozent).

3. Künftiges Sparverhalten

Auf die Frage über das künftige Sparverhalten gab es folgende Antworten (Anteile in Prozent):

Zukünftiges Sparverhalten1/223/212/211/213/202/201/20
Mehr:10,18,18,610,29,87,110,8
Weniger:15,013,911,912,211,311,48,6
Etwa gleich viel:65,268,771,569,468,171,671,0
Weiß nicht und keine Angabe:7,59,38,18,210,89,89,7

65,2 Prozent der Befragten planen, zukünftig genauso viel zu sparen wie bisher – ein Jahr zuvor waren es noch 69,4 Prozent. Knapp jeder siebte Befragte sieht sich künftig weniger sparen, jeder Zehnte dagegen mehr.

Der Sparklima-Index fällt entsprechend negativ aus und liegt mit -4,9 Prozent um fast 3 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert.

Nur bei den jüngeren Befragten zwischen 14 und 29 Jahren fällt der Sparklima-Index positiv aus, der Anteil der zukünftigen „Mehrsparer“ überwiegt hier mit fast 16 Prozentpunkten. Genau umgekehrt verhält es sich bei den 50-59jährigen, hier stehen den Mehrsparern mit knapp 5 Prozent die „Wenigersparer“ mit gut 20 Prozent gegenüber. Bei der Altersgruppe der 30-39jährigen steht der Sparindex bei -2 Prozent und bei den 40-49jährigen bei fast -8 Prozent.

4. Aktuell genutzte Geldanlagen – Girokonto und Sparbuch verlieren, Aktien gewinnen an Bedeutung

Wie schon in der Vergangenheit liegt auch im März 2022 das Sparen auf einem Girokonto weiterhin auf Platz 1, gefolgt vom Sparbuch auf Platz 2. Beide Sparformen verlieren, aber im Jahresvergleich (-5 bzw. -8 Prozentpunkte).

Auf Platz 3 der Beliebtheitsskala liegen mit 28,6 Prozent Renten- und Kapitallebensversicherungen und somit auf Vorjahresniveau. Aktien gewinnen um 6 Prozentpunkte. Bei anderen Anlageformen bleiben die Anteile auf ähnlichem Niveau, beim Bausparvertrag, der Riester-Rente sowie kurzfristigen Geldanlagen gibt es einen leichten Rückgang um je 2 Prozentpunkte, Investmentfonds sowie andere Geldanlagen werden etwas häufiger genannt.

5. Geplante Geldanlagen (Neuanschaffung und Erweiterung) – Sparform des schnellen Zugriffs (Girokonto) weiterhin vorne, Sparbuch verliert

Die Rangliste der geplanten Änderungen an den Geldanlagen wird zwar weiterhin angeführt vom Sparen auf dem Girokonto, jedoch auf einem um 5 Prozentpunkte gesunkenen Niveau (24 Prozent im März 2022 vs. 29 Prozent im März 2021). Ebenso verliert das klassische Sparbuch massiv an Bedeutung (-7 Prozentpunkte auf nunmehr 17 Prozent) und reiht sich in der Beliebtheitsskala bei Aktien und Investmentfonds ein. Rund ein Drittel der Befragten plant keine Änderung der Sparanlagen.

Der Anteil der Bundesbürger, der keine Änderung bei den Geldanlagen plant, ist im Vergleich zum Vorjahr mit rund einem Drittel in etwa gleich geblieben.

Der Anteil der Bundesbürger, der in den nächsten zwölf Monaten ein Finanzprodukt zur Geldanlage neu abschließen will, liegt über alle Produkte betrachtet mit rund 28 Prozent etwas über dem Vorjahr von 26 Prozent.

6. Ausblick

Der ifo Geschäftsklimaindex ist im März 2022 unter dem Eindruck des Kriegs in der Ukraine massiv eingebrochen. Lieferengpässe verschärfen sich, Energiekosten steigen, die Sanktionen gegen Russland verschärfen den Druck auf die Wertschöpfungsketten. Bisher zeichnet sich noch nicht ab, welche Folgen sich mittelfristig daraus ergeben, zumal die Aussichten auf einen baldigen Waffenstillstand und ernsthafte Friedensverhandlungen trüb sind. Fest steht, dass die Inflation nach Deutschland zurückgekehrt ist. Das Sparverhalten wird dann maßgeblich davon mitbestimmt sein, wie die EZB auf die Entwicklung reagiert.