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Sparklimaindex

Sparklima – Das Sparverhalten der Bundesbürger

Das Marktforschungsinstitut Kantar GmbH fragt drei Mal jährlich im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen seit 1997 die Deutschen nach ihrem Sparverhalten. Die Ergebnisse der 71. Umfrage im März 2021 liegen nun vor.

Bei dieser repräsentativen Befragung von 2.006 Bundesbürgern, die jeweils im März, Juni sowie Oktober eines jeden Jahres stattfindet, wurden folgende Fragen gestellt:

  • Sparen Sie für einen bestimmten Zweck und wenn ja, wofür?
  • Welche Absichten bestehen für Sie für das zukünftige Sparverhalten?
  • Welche Gründe gibt es für Sie für ein steigendes oder
    sinkendes Sparverhalten in der Zukunft

1.   Sparer/Nichtsparer

Zu Beginn des Jahres 2021 liegt der Anteil der Deutschen, die für einen bestimmten Zweck sparen, mit aktuell 43,4 Prozent auf einem für den Jahresanfang ungewöhnlich niedrigen Niveau (im Vergleich zum März 2020: -3,3 %-Punkte, zum März 2019: -6,1 %-Punkte). Auch im Vergleich zur Vorwelle im Oktober 2020 ist das zweckgebundene Sparen gesunken (-3,2 %-Punkte): Lediglich die von der Urlaubszeit geprägte Juni-Welle 2020 liegt auf gleichem Niveau (-1%-Punkt).

Die Sparquote für bestimmte Zwecke sinkt im Vergleich zur Vorwelle im Oktober 2020 in allen Altersgruppen – mit Ausnahme der 40-49-Jährigen, die aktuell mehr zweckgebunden sparen.

Generell gilt weiterhin, dass der Spareranteil unter den jungen Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern zwischen 14 und 29 Jahren überdurchschnittlich hoch liegt (53 Prozent). Gleichzeitig gab es hier im Vorwellen- sowie im Jahresvergleich den deutlichsten Rückgang (-4 %-Punkte zu Oktober bzw. -9 %-Punkte zu März 2020).

Die Sparquote nimmt mit steigender Schulbildung zu und hängt erwartungsgemäß auch stark von der Einkommenssituation ab.

2. Sparziele

SParziele1/213/202/201/203/19 2/19 1/19
Altersvorsorge: 54,856,054,354,755,752,8 52,5
Konsum/Anschaffungen 
(Autokauf o. ä.):
49,752,344,854,351,051,052,7
Erwerb/Renovierung von Wohneigentum:45,044,242,242,039,3 28,935,3
Kapitalanlage:26,728,527,230,724,128,126,2
Notgroschen/Reserve:7,16,17,45,8 4,83,94,7
Ausbildung der Kinder:2,74,02,52,13,02,84,3
Sonstiges:5,28,54,76,35,66,56,6

(Die Summe dieser Anteile ergibt mehr als 100 %, da die Befragten teilweise mehrere Sparziele angaben.)

„Altersvorsorge“ und „Konsum“ sind wieterhin die zentralen Sparmotive in der deutschen Bevölkerung, gefolgt von Wohneingentum auf Rang 3.

Doch während die „Altersvorsorge“ im Vorwellen- und Jahresvergleich auf konstant hohem Niveau bleibt (54,8 Prozent), geht der Anteil des Sparens für Konsum-Ausgaben zurück. Zwar scheint das historische Tief vom Juni 2020 mit einem Anteil von 44,8 Prozent für Konsumsparen überwunden, doch liegt bei aktuell 49,7 Prozent der Anteil niedriger als in der Vorwelle (-2,6 %-Punkte) bzw. dem Vorjahr (-4,9 %-Punkte). Ein Zusammenhang mit dem aktuellen Lockdown und damit eingeschränkten Konsum-Möglichkeiten vor Ort liegt nahe.

Nach einem deutlichen Rückgang vor knapp zwei Jahren (Juni-Welle 2019) gewann das Sparmotiv „Wohneigentum“ in 2020 wieder an Bedeutung und scheint sich nun bei einem Anteil von 45 Prozent zu stabilisieren (+0,8 %-Punkte zum Oktober, +2,8 %-Punkte zum März 2020).

„Kapitalanlage“ wird mit aktuell 26,7 Prozent etwas seltener als Sparmotiv genannt als im Oktober 2020 (-1,8 %-Punkte). Im saisonalen Vergleich zum März 2020 fällt der Rückgang deutlicher aus (-4 %-Punkte). Allerdings fiel der März 2020 durch eine besonders hohe Nennung von Kapitalanlage als Sparzweck auf.

Die Dominanz einzelner Sparzwecke korreliert mit dem Alter der Befragten: Während Jüngere unter 30 Jahren deutlich seltener für das Alter vorsorgen (34% geben diesen Grund als Sparzweck an, -20 %-Punkte im Vergleich zum Bundesdurchschnitt), ist bei den Befragten zwischen 30 und 59 Jahren die Altersvorsorge das vorherrschende Motiv (30 bis 39 Jahre: 61%, 40 bis 59 Jahre: 75%). Bei den Jüngeren unter 30 Jahren dominiert weiterhin der Konsum als Sparzweck (+11 %-Punkte). Das Sparen für Wohneigentum ist v.a. für die „mittleren“ Altersgruppen von 30-59 Jahren sehr relevant.

3. Künftiges Sparverhalten

Auf die Frage über das künftige Sparverhalten gab es folgende Antworten (Anteile in Prozent):

Zukünftiges Sparverhalten1/213/202/201/203/192/191/19
Mehr:10,29,87,110,89,67,79,2
Weniger:12,211,311,48,68,110,010,6
Etwa gleich viel:69,468,171,671,069,470,070,2
Weiß nicht und keine Angabe:8,210,89,89,712,912,310,0

Weiterhin planen sieben von zehn Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern, zukünftig genauso viel zu sparen wie bisher. Wie schon im Oktober 2020 gibt jeder Zehnte dagegen an, in Zukunft mehr sparen zu wollen. Auf der anderen Seite sind es 12,2 Prozent, die künftig weniger zurücklegen möchten oder können. Auch dies entspricht dem Niveau der Vorwelle. Der Sparklima-Index fällt entsprechend wieder leicht negativ aus.

Nur bei den jüngeren Befragten zwischen 14 und 29 Jahren fällt der Sparklima-Index positiv aus. Nur in dieser Altersgruppe überwiegt der Anteil der zukünftigen „Mehrsparer“ die Gruppe der Bundesbürger, die angibt, zukünftig weniger sparen zu wollen. In der Altersgruppe 30-39 Jahre halten sich Mehr- und Wenig-Sparer fast die Waage. Die deutlichste Diskrepanz und der damit niedrigste Sparklima-Index zeigt sich bei den 40-49-Jährigen: 9 Prozent Mehr-Sparern stehen 21 Prozent Weniger-Sparer gegenüber.

4. Ausblick

Der ifo Geschäftsklimaindex ist im März 2021 gestiegen – auf den höchsten Wert seit Juni 2019. Trotz steigender Infektionszahlen blicken die Unternehmen somit wieder etwas optimistischer auf ihre Geschäftsentwicklung.

Ob diese Einschätzung und Entwicklung nachhaltig sein wird bzw. welche Branchen sich evtl. nicht erholen, wird sich zeigen. Nach wie vor dominiert die Corona-Pandemie unser wirtschaftliches, politisches und gesellschaftliches Handeln und beeinflusst somit auch den persönlichen Bereich jedes einzelnen. Die weitere Entwicklung des Sparklimas wird davon abhängen, ob und in welchem Maße Deutschland Corona „in den Griff bekommt“ und die Bundesbürger wieder Geld für Restaurants, Freizeitaktivitäten, Urlaub, … ausgeben können oder weiter „gezwungenermaßen“ sparen. Sei es, weil die Möglichkeiten des Geldausgebens limitiert sind, sei es aufgrund von realen oder befürchteten Job-/Einnahmeverlusten.

Der Anstieg der Bedeutung des Girokontos sowie dem unspezifischen Sparen / als Notgroschen passt hierzu.