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Sparklimaindex

Sparklima – Das Sparverhalten der Bundesbürger

Das Marktforschungsinstitut Kantar GmbH fragt drei Mal jährlich im Auftrag des Verbands der Privaten Bausparkassen seit 1997 die Deutschen nach ihrem Sparverhalten. Die Ergebnisse der 73. Umfrage im Oktober 2021 liegen nun vor.

Bei dieser repräsentativen Befragung von 2.006 Bundesbürgern, die jeweils im März, Juni sowie Oktober eines jeden Jahres stattfindet, wurden folgende Fragen gestellt:

  • Sparen Sie für einen bestimmten Zweck und wenn ja, wofür?
  • Welche Absichten bestehen für Sie für das zukünftige Sparverhalten?
  • Welche Gründe gibt es für Sie für ein steigendes oder
    sinkendes Sparverhalten in der Zukunft?

1.   Sparer/Nichtsparer

Im Oktober 2021 liegt der Anteil der Deutschen, die für einen bestimmten Zweck sparen, mit aktuell 44,2 Prozent über dem Niveau der Vorwellen (+2,3 Prozentpunkte im Vergleich zum Juni 2021 und +1,2 Prozentpunkt im Vergleich zum März 2021). Im Vergleich zu den Herbstbefragungen der Vorjahre fällt der aktuelle Anteil der Zwecksparer 2021 jedoch geringer aus.

Die Sparquote für bestimmte Zwecke sinkt im Vergleich zur Vorwelle im Juni 2021 in den Altersgruppen 14 – 29 Jahre und 40 – 49 Jahre. In allen anderen Altersgruppen wird im Vergleich zum Juni 2021 aktuell mehr gespart.Der höchste Anteil an Sparern befindet sich mit 60 Prozent derzeit in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen.

Generell ist auch weiterhin eine steigende Sparquote mit steigender Schulbildung sowie eine erwartungsgemäße Abhängigkeit der Sparquote von der Einkommenssituation zu beobachten. Darüber hinaus geben auch im Oktober 2021 – wie bereits im Juni 2021 – Frauen häufiger an zu sparen, als Männer das tun (45 Prozent vs. 43 Prozent). Der Anteil der sparenden Männer ist im Vergleich zur Vorwelle allerdings gestiegen (+ 4 Prozentpunkte).

2. Sparziele

SParziele3/212/211/213/202/201/20 3/19
Altersvorsorge: 54,849,854,856,054,354,755,7
Konsum/Anschaffungen 
(Autokauf o. ä.):
55,653,349,752,344,854,351,0
Erwerb/Renovierung von Wohneigentum:38,338,945,044,242,242,039,3
Kapitalanlage:29,026,626,728,527,230,724,1
Notgroschen/Reserve:6,15,97,16,17,45,84,8
Ausbildung der Kinder:2,51,92,74,02,52,13,0
Sonstiges:9,15,45,28,54,76,35,6

(Die Summe dieser Anteile ergibt mehr als 100 %, da die Befragten teilweise mehrere Sparziele angaben.)

„Konsum“ (55,6 Prozent) und „Altersvorsorge“ (54,8 Prozent) sind nach wie vor die zentralen Sparmotive in der deutschen Bevölkerung, gefolgt von Wohneigentum auf Rang 3 mit 38,3 Prozent.

Der Anteil des Sparens für „Konsum“ verzeichnet im Vorwellen- und Jahresvergleich einen Anstieg von +2,3 Prozentpunkten zum Juni 2021 bzw. +3,3 Prozentpunkten zum Oktober 2020.

Auch das Sparmotiv „Altersvorsorge“ gewinnt im Vergleich zum Juni 2021 wieder an Bedeutung (+ 5,0 Prozentpunkte). Im Jahresvergleich bleibt die „Altersvorsorge“ jedoch stabil (-1,2 Prozentpunkte).

Das Sparmotiv „Wohneigentum“ hatte in allen Befragungswellen seit Oktober 2019 einen hohen Stellenwert eingenommen mit Höchstwerten von 45,0 Prozent im März 2021 und 44,2 Prozent im Oktober letzten Jahres. Die Hochphase der letzten Zeit lässt sich vermutlich mit einem „Corona-Effekt“ erklären: Die persönliche Wohnsituation wurde aufgrund von Home-Office und Ausgangsbeschränkungen präsenter und wichtiger, die Zahl der Aus- und Umbauten nahm zu, ebenso wie Überlegungen nach veränderten Wohnsituationen. Engpässe und steigende Preise in der Baubranche sind womöglich eine Erklärung für den Rückgang im letzten halben Jahr.

Die „Kapitalanlage“ wird aktuell von 29,0 Prozent der Bevölkerung genannt und erreicht damit ein etwas höheres Niveau als im Sommer 2021 (+2,4 Prozentpunkte) und Oktober 2020 (+ 0,5 Prozentpunkte).

Die Dominanz einzelner Sparzwecke korreliert mit dem Alter der Befragten: Während Jüngere unter 30 Jahren primär sparen, um ein Konsumbedürfnis zu stillen (74 Prozent, +3 Prozentpunkte im Vergleich zum Juni 2021), dominiert bei den älteren Befragten ab 40 Jahren das Motiv „Altersvorsorge“ (40 bis 49 Jahre: 76 Prozent, 50 bis 59 Jahre: 70 Prozent). Bei den 30- bis 39-Jährigen dominiert ebenfalls das Sparmotiv „Altersvorsorge“ (55 Prozent), allerdings dicht gefolgt von „Konsum“ (54 Prozent) als zweithäufigstem Sparzweck.

3. Künftiges Sparverhalten

Auf die Frage über das künftige Sparverhalten gab es folgende Antworten (Anteile in Prozent):

Zukünftiges Sparverhalten3/212/211/213/202/201/203/19
Mehr:8,18,610,29,87,110,89,6
Weniger:13,911,912,211,311,48,68,1
Etwa gleich viel:68,771,569,468,171,671,069,4
Weiß nicht und keine Angabe:9,38,18,210,89,89,712,9

Weiterhin planen sieben von zehn Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern, zukünftig genauso viel zu sparen wie bisher (-2,8 Prozentpunkte im Vergleich zum Juni 2021). Der Anteil der, die angeben, zukünftig weniger zurücklegen zu wollen, liegt aktuell bei 13,9 Prozent und steigt damit leicht im Vergleich zu den beiden Vorwellen an. Auf der anderen Seite sind es nur noch 8,1 Prozent, die künftig mehr sparen möchten. Die Abweichung zum Juni 2021 fällt aber moderat aus (-0,5 Prozentpunkte).

Generell nimmt der Anteil der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger, die angeben, künftig mehr zurücklegen zu wollen, im Laufe des Jahres ab, und der Anteil derer, die weniger sparen wollen, zu. Der Sparklima-Index fällt entsprechend wieder negativ aus.

Gerade die jüngeren Befragten zwischen 14 und 29 Jahren sind es, die sich vornehmen, in den nächsten Monaten mehr zu sparen (18 Prozent). Mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil der Befragten, die zukünftig mehr sparen wollen. Unter den Befragten, die älter als 60 Jahre sind, liegt der Anteil nur noch bei 1 Prozent.

4. Sonderfrage: Inflation in Deutschland

Zusätzlich zu der routinemäßigen Erhebung des Sparverhalten wurde den Teilnehmern bei der Befragung im Herbst 2021 eine weitere Frage gestellt. Dabei ging es um die steigenden Preise in Deutschland. Zwei Drittel der Teilnehmer gaben an, dass ihnen die steigenden Preise Sorgen bereiteten. Jüngere Menschen bis 39 Jahren sehen die Entwicklung zwar auch überwiegend kritisch (14-29 Jahre: 60,7 Prozent; 30-39 Jahre: 59,9), aber nicht so ausgeprägt wie die Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen (70,6 Prozent), der 50- bis 59-Jährigen (69,1 Prozent) oder die Generation 60+ (70,3 Prozent).

5. Ausblick

Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Oktober 2021 auf 97,7 Punkte gefallen. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich eingetrübt. Aufgrund der aktuellen Lieferprobleme und der damit einhergehenden sinkenden Kapazitätsauslastung, die den Firmen zu schaffen macht, ist der Ausblick eher pessimistisch.

Nach wie vor stehen die Konsumausgaben als Sparzweck für die Bundesbürgerinnen und Bürger an erster Stelle. Nichtsdestotrotz ist ein Großteil der deutschen Bevölkerung besorgt über die aktuell rasant ansteigenden Preise und eine damit in Verbindung stehende anhaltende Inflation in Deutschland.

Auffallend in den Ergebnissen zum aktuellen Sparklima ist, dass eine zukünftig steigende Sparneigung mit der Rücklage für Notzeiten begründet wird und Spargründe wie „Immobilienerwerb/Modernisierung“ oder „Urlaub/Reisen“ an Bedeutung verlieren.

Ob die Sorge wegen steigender Preise tatsächlich berechtigt ist, wird sich zeigen. Bleibt es jedoch bei diesen momentan steigenden Lebenshaltungskosten, wird diese Inflation definitiv auch weiterhin unser wirtschaftliches, politisches und gesellschaftliches Handeln sowie die persönlichen Sparneigungen und Sparzwecke eines jeden einzelnen beeinflussen.