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Sparklimaindex

Sparklima – Das Sparverhalten der Bundesbürger

Das Marktforschungsinstitut Kantar GmbH fragt drei Mal jährlich im Auftrag des Verbands der Privaten Bausparkassen seit 1997 die Deutschen nach ihrem Sparverhalten. Die Ergebnisse der 75. Umfrage im Juni 2022 liegen nun vor.

Bei dieser repräsentativen Befragung von 2.006 Bundesbürgern, die jeweils im März, Juni sowie Oktober eines jeden Jahres stattfindet, wurden folgende Fragen gestellt:

  • Sparen Sie für einen bestimmten Zweck und wenn ja, wofür?
  • Welche Absichten bestehen für Sie für das zukünftige Sparverhalten?

1.   Sparer/Nichtsparer

Zur Mitte des Jahres 2022 liegt der Anteil der Deutschen, die für einen bestimmten Zweck sparen, mit aktuell 39,3 Prozent um 3,1 Prozentpunkte unter dem Niveau der Welle im März. Betrachtet man die Ergebnisse über die Jahre, so kann man auch insgesamt die Tendenz erkennen, dass das Zwecksparen immer weiter abnimmt.

Sparten im März Frauen bereits mehr als Männer (45 vs. 40 Prozent), ist der Unterschied im Juni noch stärker (43 vs. 36 Prozent).

Betrachtet man die Alterskategorien, so fällt auf, dass insbesondere unter Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern zwischen 30 und 39 Jahren mit 50 Prozent und zwischen 40 und 49 Jahren mit einem Anteil von 47 Prozent der Spareranteil am höchsten ist. Ab einem Lebensalter von 50 Jahren sinkt die Sparquote auf 38 Prozent, um in der Generation 60+ einen Wert von nur noch 29 Prozent zu erreichen. Die Sparquote steigt mit Schulbildungsniveau und hängt erwartungsgemäß auch stark von der Einkommenssituation ab.

2. Sparziele

SParziele2/221/223/212/211/213/202/20
Altersvorsorge: 56,859,454,849,854,856,054,3
Konsum/Anschaffungen 
(Autokauf o. ä.):
49,353,455,653,349,752,344,8
Erwerb/Renovierung von Wohneigentum:44,044,238,338,945,044,242,2
Kapitalanlage:33,033,429,026,626,728,527,2
Notgroschen/Reserve:5,95,06,15,97,16,17,4
Ausbildung der Kinder:2,73,82,51,92,74,02,5
Sonstiges:5,26,49,15,45,28,54,7

(Die Summe dieser Anteile ergibt mehr als 100 %, da die Befragten teilweise mehrere Sparziele angaben.)

„Altersvorsorge“ (56,8 Prozent) und „Konsum“ (49,3 Prozent) sind weiterhin die zentralen Sparmotive in der deutschen Bevölkerung, gefolgt von Wohneigentum (44 Prozent) auf Rang 3.

Das Sparmotiv „Altersvorsorge“ sinkt zwar im Vorwellenvergleich tendenziell in der Sparergunst (um
-1,6 Prozentunkte), steigt jedoch im Jahresvergleich an (um 7,0 Prozentpunkte zum Juni 2021). Der Anteil des Sparens für Konsumausgaben geht dagegen sowohl im Vorwellen–, als auch Jahresvergleich zurück. In beiden Vergleichen (März 2022 und Juni 2021) sinkt die Sparquote für Konsum um 4,1 bzw. 4,0 Prozentpunkte.

Das Sparmotiv „Wohneigentum“ legt bei den Nennungen im Vergleich zum Vorjahr um 5,1 Prozentpunkte zu. Liegt aber 0,2 Prozentpunkte unter dem Niveau der Vorwelle im März 2022.

„Kapitalanlage“ liegt mit 33 Prozent auf einem ähnlichen Niveau wie im Marz 2022 (33,4 Prozent), ist im Vergleich zur Juniwelle 2021 jedoch um 6,4 Prozentpunkte angestiegen.

Die Priorisierung einzelner Sparzwecke korreliert mit dem Alter der Befragten:

Während Jüngere unter 30 Jahren primär sparen (müssen), um ein Konsumbedürfnis zu erfüllen (62 Prozent), dominiert bei allen anderen Altersgruppen das Motiv Altersvorsorge: Bereits die Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen nennt diesen Sparzweck mit einem Anteil von 60 Prozent als primären, die Befragten zwischen 50 und 59 Jahren sind mit 76 Prozent hierbei die am stärksten vertretene Altersgruppe. Im Westen ist die Altersvorsorge mit 56 Prozent um 10 Prozentpunkte niedriger als im Osten, im Osten ist Kapitalanlage mit 18 Prozent praktisch nur halb so hoch wie im Westen. 60 Prozent der Frauen stehen bei der Altersvorsorge einem Anteil von 54 Prozent bei den Männern gegenüber, bei Konsum liegen die Frauen mit 56 Prozent um 14 Prozentpunkte höher als die Männer. Beim Erwerb von Wohneigentum sind Männer und Frauen auf etwa gleichem Niveau (45 und 43 Prozent).

3. Künftiges Sparverhalten

Auf die Frage über das künftige Sparverhalten gab es folgende Antworten (Anteile in Prozent):

Zukünftiges Sparverhalten2/221/223/212/211/213/202/20
Mehr:7,910,18,18,610,29,87,1
Weniger:14,615,013,911,912,211,311,4
Etwa gleich viel:67,765,268,771,569,468,171,6
Weiß nicht und keine Angabe:9,87,59,38,18,210,89,8

Mehr als zwei Drittel der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger planen, zukünftig genauso viel zu sparen wie bisher. Der Anteil derer, die angeben, zukünftig weniger zurücklegen zu wollen, liegt aktuell bei 14,6 Prozent und bleibt damit ungefähr auf dem Niveau der Vorwelle. Auf der anderen Seite sind es mit 7,9 Prozent etwas weniger Befragte, die künftig mehr sparen möchten als noch im März 2022. Der Sparklima-Index[1] fällt entsprechend wieder negativ aus.

Gerade die jüngeren Befragten zwischen 14 und 29 Jahren sind es, die sich vornehmen, in den nächsten Monaten mehr zu sparen (16 Prozent). Mit zunehmendem Alter sinkt der Anteil der Befragten, die zukünftig mehr sparen wollen, stetig. Unter den Befragten, die älter als 60 Jahre sind, liegt der Anteil nur noch bei 3 Prozent.

Beim Volksschulabschluss dominiert weit abgeschlagen das Motiv, mittels Sparens die steigenden Lebenshaltungskosten aufzufangen, allerdings überwiegt in dieser Befragungsgruppe die Konsequenz, aus ebenjenem Grund weniger sparen zu können.

[1] Der Sparklima-Index ist definiert als die Differenz zwischen dem Anteil der zukünftigen Mehrsparer und der Gruppe der Bundesbürger, die zukünftig weniger sparen wollen. Er liefert somit eine Prognose über die zukünftige Entwicklung der Sparquote.

4. Ausblick

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich nach einem zuerst positiven Ausblick durch die leichte Erholung von Corona deutlich eingetrübt, der ifo Geschäftsklimaindex ist im Juni 2022 gesunken. Die Unternehmen seien etwas weniger zufrieden mit der aktuellen Geschäftslage, weshalb die Erwartungen deutlich pessimistischer aufgefallen seien. Hauptgründe für diese Entwicklung seien steigende Energiepriese sowie die drohende Gasknappheit.

Auf allen Sektoren lastet die gegenwärtige politische Lage schwer, die steigenden Preise und die Gefahr einer Stagflation trüben den Ausblick ein. Insbesondere die Unsicherheit über die künftige Entwicklung bereitet den Unternehmen Sorgen.