English information


Sparklima – Das Sparverhalten der Bundesbürger

Das Marktforschungsinstitut TNS Infratest fragt drei Mal jährlich im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen seit 1997 die Deutschen nach ihrem Sparverhalten.
Die Ergebnisse der 57. Umfrage im Juni 2016 liegen nun vor.

Bei dieser repräsentativen Befragung von 2.006 Bundesbürgern wurden folgende Fragen gestellt:

  • Wie ist das bei Ihnen, sparen Sie derzeit für einen bestimmten Zweck?
  • Zu welchem Zweck?
  • Werden Sie in den nächsten Monaten mehr, weniger oder etwa gleich viel sparen?
  • Wie wollen Sie zukünftig Ihr Geld anlegen?

1.   Sparer/Nichtsparer

Zur Jahresmitte 2016 sparen 45,8 Prozent der Deutschen für einen bestimmen Zweck. Der Anteil liegt um 2,5 Prozentpunkte unter dem Wert aus dem März 2016 und 2,5 Prozentpunkte über dem saisonalen Vergleichswert aus dem Juni 2015.

Zu Jahresbeginn zeigte sich der Anteil der Sparer damit noch stabil – trotz der anhaltenden Niedrigzinsphase und akuter Sorgen um die weitere Entwicklung der europäischen Integration.

2. Sparziele

Sparziele 2/13 1/16 3/15 2/15 1/15 3/14 2/14 1/14 3/13 2/13
Altersvorsorge: 56,1 59,0 59,8 54,7 61,0 63,6 51,0 60,2 63,7 60,7
Konsum/Anschaffungen
(Autokauf o. ä.):
55,9 60,6 53,0 55,8 65,0 58,6 56,1 58,5 57,8 62,2
Erwerb/Renovierung von Wohneigentum: 44,3 43,4 44,4 42,8 47,6 53,9 46,2 49,8 54,1 53,5
Kapitalanlage: 26,4 28,0 30,3 32,0 29,8 32,1 30,7 28,1 32,8 31,7
Notgroschen/Reserve: 6,9 4,6 4,1 4,2 5,1 6,5 5,4 4,2 4,9 5,5
Ausbildung der Kinder: 3,9 4,9 3,9 4,3 5,7 3,8 3,2 3,9 3,8 3,4
Sonstiges: 5,6 4,7 5,6 6,1 6,5 8,0 7,1 7,0 4,5 7,3

(Die Summe dieser Anteile ergibt mehr als 100 Prozent, d. h., es wurden teilweise mehrere Sparziele angegeben.) 

Das Sparmotiv "Konsum" verzeichnet im Vergleich zur letzten Welle einen Rückgang von fünf Prozentpunkten. Auch die „Altersvorsorge“ wird im Vergleich zum März 2016 etwas seltener als Sparmotiv genannt (-2,9 Prozentpunkte). Aktuell liegen beide Ziele in der Gunst der Sparer mit 56,1 bzw. 55,9 Prozent gleichauf. Auf Platz drei der Rangliste liegt nahezu unverändert zum März 2016 das „Wohneigentum“, mit aktuell 44,5 Prozent der Nennungen. Auch im saisonalen Vergleich zum Juni 2015 fallen die Unterschiede der Sparer in den drei genannten Motiven gering aus.

Mit einem Rückgang von 1,6 Prozentpunkten zum März 2016 und 5,6 Prozentpunkten im Vergleich zum Juni 2015 wird die Kapitalanlage aktuell von etwas mehr als einem Viertel der Bundesbürger als Sparmotiv angeführt. Der Rückgang sowohl bei den konsumorientierten als auch bei den vorsorgeorientierten Motiven zeigt, wie reserviert die Bundesbürger aktuell bei ihren Sparzwecken sind.

3. Künftiges Sparverhalten

Auf die Frage hinsichtlich des künftigen Sparverhaltens ergaben sich folgende Antworten
(Anteile in Prozent):

Zukünftiges Sparverhalten 2/16 1/16 3/15 2/15 1/15 3/14 2/14 1/14 3/13 2/13
Mehr: 8,4 8,5 7,7 6,4 8,7 8,3 6,3 8,8 9,4 8,6
Weniger: 9,9 10,0 9,5 11,7 12,3 11,8 10,7 12,1 11,1 14,0
Etwa gleich viel: 73,3 73,8 74,5 73,4 71,8 72,9 75,9 72,6 72,6 71,1
Weiß nicht und keine Angabe: 8,4 7,7 8,3 8,5 7,2 7,0 7,1 6,5 6,8 6,2

Der Anteil derer, die beabsichtigen, in den nächsten Monaten weniger zu sparen, liegt im Vergleich zum März 2016 unverändert bei 9,9 Prozent. Damit äußert weiterhin jeder zehnte Bundesbürger die Absicht, in den nächsten Monaten eher weniger sparen zu wollen.

Nahezu gleichauf liegt der Anteil der Bundesbürger, die zukünftig mehr sparen wollen, mit aktuell 8,4 Prozent. Im Vergleich zur Vorwelle ein Rückgang von 1,1 Prozentpunkten.

Es ist weiterhin die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen, die überdurchschnittlich häufig vorhat, künftig das Sparvolumen zu erhöhen. Aktuell äußern sich 22 Prozent in dieser Zielgruppe entsprechend, ein Anstieg von vier Prozentpunkten im Vergleich zur Vorwelle.

Der Anteil der Bundesbürger, die beabsichtigen, an ihrem Sparverhalten nichts zu ändern, ist im Vergleich zum März 2016 zum zweiten Mal in Folge und zwar um 1,5 Prozentpunkte auf aktuell 73,3 Prozent gesunken. Trotzdem bestätigt sich die Einschätzung der Bundesbürger zum zukünftigen Sparverhalten der vorangegangen Wellen, die in der überwiegenden Mehrheit – trotz der Niedrigzinsphase – ihr zukünftiges Sparverhalten nicht ändern wollen.

3.1. Gründe für steigendes Sparvolumen (Anteile in %)

Gründe für steigendes Sparvolumen 2/16 1/16 3/15 2/15 1/15 3/14 2/14 1/14 3/13 2/13
Allgemeines Sparen für die Zukunft/Notgroschen/Reserve: 26,3 24,8 20,0 24,6 23,1 21,6 11,3 28,0 29,9 29,0
Urlaub: 24,4 16,8 8,5 10,5 19,5 14,8 9,5 13,8 16,8 21,8
Berufliche Veränderungen/ Einkommensänderung: 24,3 16,9 22,3 22,2 28,0 23,0 27,8 26,5 23,7 31,6
Größere Anschaffungen: 22,1 23,3 14,1 16,5 18,9 21,9 19,2 22,0 20,3 24,7
Steigende Ausgaben: 12,6 8,4 15,7 6,9 9,7 8,8 15,4 12,3 10,2 20,3
Unsichere Altersvorsorge: 12,1 8,0 7,5 4,9 9,8 12,2 1,8 9,0 11,8 13,3
Immobilienerwerb/ Modernisierung: 10,6 8,3 4,7 21,6 6,6 16,8 11,0 15,2 21,7 10,6
Allgemeine wirtschaftliche und politische Situation: 9,9 6,0 2,7 3,3 6,9 4,2 0,9 7,7 5,6 15,0
Steigendes Konsumbedürfnis: 7,7 11,7 7,0 11,2 14,5 12,8 5,3 12,0 9,2 7,9
Fehlende Einkommenssteigerungen/ Einkommenseinbußen: 4,9 5,5 6,5 4,0 2,1 4,8 4,1 7,0 10,4 5,1
Arbeitslosigkeit: 0,5 5,9 2,3 4,8 2,2 0,3 2,6 3,3 4,0 2,1

Auf Platz eins der Motive zur Begründung für eine zukünftig steigende Sparaktivität liegt weiterhin das Sparziel „Notgroschen“ mit – im Vergleich zum März 2016 – nahezu unveränderten 26,3 Prozent der Nennungen (+1,5 Prozentpunkt). Auf Platz zwei folgt mit 24,4 Prozent der Nennungen und einem Anstieg von sieben Prozentpunkten zur Vorwelle das Sparziel „Urlaub/Reisen“. Mit einem Anstieg von ebenfalls sieben Prozentpunkten im Vergleich zur Vorwelle folgt auf Platz drei das Motiv „Einkommensänderung“.

Weitere konsumorientierte Motive werden im Vergleich zum März 2016 nahezu unverändert („größere Anschaffungen“: -1,2 Prozentpunkte) oder eher seltener zur Begründung für ein steigendes Sparvolumen angeführt („steigender Konsum“: -4,0 Prozentpunkte).

Häufiger als noch im März 2016 werden Motive zur Begründung herangeführt, die eine gewisse Unsicherheit der Bundesbürger widerspiegeln („steigende Lebenshaltungskosten“: +4,2 Prozentpunkte, „unsichere Altersvorsorge“: +4,1 Prozentpunkte, „wirtschaftspolitische Situation“: +3,9 Prozentpunkte). Dies kann ein Effekt der aktuell geführten Rentendebatte sein, die das Thema „Altersvorsorge“ wieder in den Fokus rückt.

Die Motive für ein Mehr an Sparen zeichnen ein eindeutiges Bild: Konsumausgaben werden (mit Ausnahme des Reisens) eingeschränkt, die Vorsorge ausgebaut. Darin spiegelt sich eine pessimistische Erwartungshaltung gegenüber der Zukunft wider.

3.2. Gründe für sinkendes Sparvolumen (Anteile in %)

Gründe für sinkendes Sparvolumen 2/16 1/16 3/15 2/15 1/15 3/14 2/14 1/14 3/13 2/13
Steigende Ausgaben/ Lebenshaltungskosten: 32,3 28,8 24,5 25,3 24,9 29,0 19,1 21,7 26,5 25,0
Fehlende Einkommenssteigerungen/ Einkommenseinbußen: 17,9 21,2 15,6 22,0 15,1 16,7 24,4 32,0 14,3 20,9
Sparen macht keinen Sinn: 15,6 10,6 9,2 16,9 16,5 13,5 14,1 17,6 15,2 13,7
Arbeitslosigkeit: 14,2 1,4 7,3 5,3 5,5 2,3 6,3 8,4 5,2 8,3
Urlaub: 13,3 11,4 2,4 6,5 7,9 1,8 10,3 4,1 3,1 10,4
Unsichere Altersvorsorge: 11,1 12,0 9,2 7,5 7,0 8,8 7,9 11,8 9,8 10,1
Allgemeine politische und wirtschaftliche Situation: 9,7 8,5 13,5 11,6 11,1 8,1 10,2 10,2 10,6 10,2
Immobilienerwerb/ Modernisierung: 7,5 10,5 2,6 9,9 4,7 6,0 7,2 4,6 6,0 6,5
Berufliche/ Einkommensänderung: 6,9 12,3 5,0 12,1 15,4 12,9 6,8 7,4 11,9 7,6
Steigendes Konsumbedürfnis: 5,0 3,5 12,8 6,2 8,5 14,7 6,1 7,1 13,7 7,1
Größere Anschaffungen: 3,8 6,6 8,5 4,0 8,8 7,8 10,4 3,4 7,0 12,4

Auf Platz eins der Begründungen für ein sinkendes Sparvolumen liegen im März 2016 bei einem Plus von drei Prozentpunkten und mit aktuell 32 Prozent der Nennungen weiterhin die „steigenden Ausgaben / Lebenshaltungskosten“. Eine „fehlende Einkommenssteigerung“ (-3 Prozentpunkte) und „berufliche Veränderungen / Einkommensänderungen“ (-5 Prozentpunkte) werden im Vergleich zum März 2016 eher seltener zur Begründung für ein geringeres Sparvolumen herangeführt. Dieser Rückgang ist durch die insgesamt guten Tarifabschlüsse des Jahres erklärbar.

Bei den konsumorientierten Motiven sind die Änderungen im Vergleich zur Vorwelle eher gering und uneinheitlich („Urlaub/Reisen“ (+ 2 Prozentpunkte), „Immobilienerwerb / Renovierung“ (-3 Prozentpunkte), „größere Anschaffungen“: -3 Prozentpunkte, „steigender Konsum“: +1 Prozentpunkt).  

Überraschend hingegen ist der deutliche Anstieg im Vergleich zum März 2016 durch die Begründung „Arbeitslosigkeit“ auf aktuell 14 Prozent (+13 Prozentpunkte). Auch im saisonalen Vergleich ist dieser Anstieg deutlich (+9 Prozentpunkte). Dies umso mehr, als die Angst um den eigenen Arbeitsplatz zuletzt 2009 zweistellige Prozentwerte in der Begründung für ein geringeres Sparvolumen erzielte. Tendenziell weisen die Ergebnisse darauf hin, dass es insbesondere die jüngeren (bis unter 39 Jahre) und gut gebildeten Bundesbürger mit einem mittleren Einkommen sind, die um ihren Status in der Arbeitswelt bangen.

4. Ausblick

Der Anteil der Zwecksparer ist zur Mitte des Jahres 2016 leicht zurückgegangen. Er liegt mit aktuell 46 Prozent etwas unter dem Niveau der Vorwelle aber drei Prozentpunkte über dem Vergleichswert aus dem Juni 2015. 

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Mai 2016 in der gewerblichen Wirtschaft gestiegen, im Dienstleistungssektor aber leicht rückläufig[1]. Getragen wird die weiterhin positive Stimmung in der deutschen Wirtschaft wohl durch einen Boom in der Bauwirtschaft.

Laut dem GfK-Konsumklima-Index setzt sich der Aufwärtstrend im Konsumverhalten der Bundesbürger auch im Mai 2016 fort. Die „Verbraucher vertrauen auf ein moderates Wirtschaftswachstum“ und „gehen davon aus, dass sich die deutsche Wirtschaft im weiteren Verlauf positiv entwickelt“[2]. Demnach bleibt die Konsumlaune der deutschen Verbraucher weiter ungebrochen.

Die Ergebnisse zum Sparklima weisen aktuell darauf hin, dass die Motivlage für das zukünftige Sparverhalten durch eine aufkommende Unsicherheit der Sparer geprägt ist, ob sie auch zukünftig noch in der Lage sein werden, in dem gewünschten Umfang zu sparen.

Spannend wird es sein, ob und wie sich der anstehende „BrExit“ auf das Sparverhalten der Bundesbürger auswirkt. Es wäre wohl nicht überraschend, wenn die im aktuellen Sparklima aufkommende Unsicherheit der Sparer sich weiter steigert.

[1] www.cesifo-group.de/de/ifoHome/facts/Survey-Results/Business-Climate.html

[2] www.gfk.com/de/insights/press-release/konsumklima-setzt-aufwaertstrend-fort/

 

 

 

PRESSEKONTAKT

Alexander Nothaft
Leiter Kommunikation
030-590091-523
nothaft(at)vdpb.de

Mail-Abonnement

Registrieren Sie sich hier, um automatisch neue Pressemitteilungen per E-Mail zu erhalten.

Videos

Wohnträume sicher finanzieren
Die weltweite Finanzkrise ist kein technischer Zufall; sie ist systembedingt. Es ist höchste Zeit, Lehren daraus zu ziehen... Video des Verbandes der Privaten Bausparkassen  [mehr...]

POSITIONEN

Die Positionen des Verbandes der Privaten Bausparkassen zur Bundestagswahl 2013 finden Sie hier.

 

Seite drucken | Sitemap | Impressum 

©2008-2016- Alle Rechte vorbehalten