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Sparklima – Das Sparverhalten der Bundesbürger

Das Marktforschungsinstitut TNS Infratest fragt drei Mal jährlich im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen seit 1997 die Deutschen nach ihrem Sparverhalten. Die Ergebnisse der 39. Umfrage im Juni 2010 liegen nun vor.

Bei dieser repräsentativen Befragung von 2.000 Bundesbürgern wurden folgende Fragen gestellt:

  • Wie ist das bei Ihnen, sparen Sie derzeit für einen bestimmten Zweck?
  • Zu welchem Zweck?
  • Werden Sie in den nächsten Monaten mehr, weniger oder etwa gleich viel sparen?

1.   Sparer/Nichtsparer

Annähernd jeder zweite Bundesbürger spart im Juni 2010 für einen bestimmten Zweck (47,2 %). Dieser Wert entspricht dem Ergebnis der März-Befragung dieses Jahres. Auch wenn der aktuelle Wert um plus 3,1 Punkte über dem Vergleichswert des Vorjahres liegt, so ist es noch zu früh, daraus eine Stabilisierung nach dem sich im Langzeittrend bisher gezeigten Rückgang des Zwecksparens zu folgern.

2. Sparziele

Sparziele 2/10 1/10 3/09 2/09 1/09 3/08 2/08 1/08 3/07 2/07
Altersvorsorge: 61,5 67,6 60,3 62,1 65,8 57,9 55,4 61,9 66,5 64,7
Konsum/Anschaffungen
(Autokauf o. ä.):
51,9 50,1 59,3 58,5 59,9 57,7 55,1 63,5 59,1 54,8
Erwerb/Renovierung von Wohneigentum: 43,5 52,2 52,0 49,3 50,6 46,5 41,3 52,4 54,9 51,6
Kapitalanlage: 31,7 37,3 32,2 35,6 36,7 26,2 33,6 42,9 49,6 35,8
Ausbildung der Kinder: 4,5 5,4 4,0 4,2 5,7 3,3 4,2 4,0 5,9 4,1
Notgroschen/Reserve: 4,1 4,8 4,3 3,3 4,6 4,1 3,6 3,3 4,5 4,3
Sonstiges: 6,7 7,9 5,1 6,0 5,7 5,5 5,7 4,8 5,7 6,0


(Die Summe dieser Anteile ergibt mehr als 100 %, d. h., es wurden teilweise mehrere Sparziele angegeben.) 

Das Sparmotiv „Altersvorsorge“ bleibt das wichtigste Sparziel der Deutschen, die ihr Geld für einen bestimmten Zweck zurücklegen (im weiteren Verlauf des Textes auch als Zwecksparer bezeichnet). Jeder zweite deutsche Zwecksparer will sich mit seinen Ersparnissen einen Konsumwunsch erfüllen (51,9 %). Allerdings liegt dieser Wert immer noch deutlich unter dem des Vorjahres mit damals 58,5 %.

Die Bedeutung des Sparmotivs „Wohneigentum“ zeigt sich in dieser Befragung deutlich rückläufig (minus 8,7 Punkte im Vergleich zum ersten Quartal 2010 und minus 5,8 Punkte gegenüber dem Vorjahr). Auch das Sparmotiv „Kapitalanlage“ ist rückläufig: minus 5,6 Punkte gegenüber der Befragung im März 2010 und minus 3,9 Punkte im Vergleich zum Juni 2009. Die gleichzeitige Abnahme dreier wichtiger Sparziele, also Altersvorsorge, Erwerb von Wohneigentum sowie Kapitalanlage, ist ein potentieller Indikator für eine zunehmende Unsicherheit der Zwecksparer. In Zeiten der Finanz- und Eurokrise und angesichts der stark gestiegenen Staatsverschuldung können die Bürger die möglichen Folgebelastungen in den nächsten Jahren trotz erster angekündigter Maßnahmen durch die Bundesregierung kaum oder gar nicht abschätzen.

 

3. Zukünftiges Sparverhalten

Auf die Frage hinsichtlich des künftigen Sparverhaltens ergaben sich folgende Antworten
(Anteile in %):

Zukünftiges Sparverhalten 2/10 1/10 3/09 2/09 1/09 3/08 2/08 1/08 3/07 2/07
Mehr: 6,7 8,5 8,5 7,5 9,0 8,3 8,8 8,8 7,6 8,3
Weniger: 11,7 14,6 14,1 15,5 16,7 16,4 16,5 13,1 16,1 15,0
Etwa gleich viel: 72,7 71,8 69,7 68,5 67,4 67,4 67,1 68,9 69,7 67,5
Weiß nicht und keine Angabe: 8,9 5,1 7,7 8,6 6,3 7,9 7,6 9,1 6,7 9,1

 

Die Quote der „Gleichviel-Sparer“ steigt seit 2008 kontinuierlich an; von 67,1 % im Juni 2008 auf
72,7 % im Juni 2010, während der Anteil der Befragten, die in Zukunft weniger sparen wollen, weiterhin rückläufig ist (von 16,7 % im März 2009 auf 11,7 % im Juni 2010). Da jedoch der Anteil von „weiß nicht/keine Antwort“ von 5,1 % auf 8,9 % gegenüber der Befragung im März 2010 gestiegen ist, lassen sich die Abweichungen nur eingeschränkt interpretieren. Man muss die weitere Entwicklung abwarten, bevor ein endgültiges Urteil gefällt wird.

3.1. Gründe für steigendes Sparvolumen

Gründe für steigendes Sparvolumen 2/10 1/10 3/09 2/09 1/09 3/08 2/08 1/08 3/07 2/07
Allgemeines Sparen für die Zukunft: 29,3 18,5 24,2 25,8 19,3 20,4 26,4 13,1 23,4 24,7
Größere Anschaffungen: 19,6 14,3 18,9 19,9 23,2 18,5 12,7 21,8 18,8 17,5
Berufliche Veränderungen/ Einkommensänderung: 18,5 37,2 28,9 29,9 16,2 15,2 24,2 33,7 25,5 28,2
Unsichere Altersvorsorge: 16,0 7,3 5,4 5,4 8,4 8,3 12,6 9,8 10,7 8,7
Urlaub: 15,8 6,4 5,6 11,4 12,0 8,7 14,8 17,0 13,7 12,1
Steigende Ausgaben: 15,3 13,4 14,1 6,8 21,7 16,9 18,9 14,2 14,5 10,4
Steigendes Konsumbedürfnis: 7,8 4,9 7,8 5,3 12,1 9,6 10,5 9,3 7,7 3,7
Immobilienerwerb/ Modernisierung: 7,3 7,0 8,3 9,4 11,5 7,8 10,9 10,4 8,2 15,1
Allgemeine wirtschaftliche und politische Situation: 5,6 3,4 6,8 4,6 11,4 5,7 2,3 2,5 1,8 3,8
Arbeitslosigkeit: 5,0 3,5 1,1 1,8 5,8 0,8 1,0 3,6 1,7 2,2
Fehlende Einkommenssteigerungen/ Einkommenseinbußen: 2,1 4,2 1,5 2,2 7,7 3,3 3,3 3,7 6,5 3,6


Das Sparmotiv „Notgroschen“ rückt wieder in den Vordergrund. So steigt im Vergleich zur Befragung im März 2010 der Anteil der Nennungen für das Sparmotiv „Notgroschen“ signifikant um plus 10,8 Punkte (plus 3,5 Punkte im Vergleich zum Juni 2009) an. Eine ähnliche Entwicklung im Jahresverlauf ist bereits aus den Vorjahren bekannt. Der Anteilswert für den Spargrund „berufliche Veränderung/
Einkommensänderung“ sinkt von dem Rekordwert der Vorbefragung (37,2 % im März 2010) signifikant um minus 18,7 Punkte auf  18,5 %; einen ähnlich niedrigen Wert gab es zuletzt im Jahr 2006 mit 17 %. Die trotz des gesamtwirtschaftlichen Einbruchs bislang (etwa durch die Kurzarbeit-Regelungen) entspannte Lage am Arbeitsmarkt könnte die Erwartungen der Befragten positiv beeinflusst haben.  

Das Sparmotiv „größere Anschaffungen“ erreicht mit 19,6 % wieder einen so hohen Wert wie im Vergleichsmonat des Vorjahres und rückt im aktuellen Ranking damit auf den 2. Platz. Das ist erstaunlich, da es durch das Konjunkturprogramm im Vorjahr sicherlich auch Vorzieheffekte gab; etwa durch die „Abwrackprämie“. Eigentlich müsste das zu einem eher niedrigen Wert für das Sparmotiv „größere Anschaffungen“, also etwa der Kauf eines neuen Autos, führen. Schwach fällt wieder der Wert für „Immobilienerwerb/Modernisierung“ (aktuell 7,3 %) aus. Damit setzt sich der negative Trend seit Herbst 2007 fort. „Unsicherheit“ als Motiv für vermehrtes Sparen kommt in einem sehr deutlichen Anstieg des Anteilswertes für den Spargrund „unsichere Altersvorsorge“ zum Ausdruck: plus 8,7 Punkte im Vergleich zum März 2010 und sogar plus 10,6 Punkte gegenüber Juni 2009.

Vor der anstehenden Urlaubszeit hat im Juni 2010 das Sparmotiv „Urlaub/Reisen“ wieder an Bedeutung gewonnen; um 9,4 Punkte im Vergleich zum März dieses Jahres. Der aktuelle Wert liegt mit 4,4 Punkten auch über dem Vergleichswert vom Juni 2009. Als weiteres wichtiges Motiv zum vermehrten Sparen gaben die Befragten analog zur Vorbefragung trotz der aktuell geringen Inflationsrate wieder „steigende Lebenshaltungskosten“ an (15,3 %, plus 1,9 Punkte gegenüber März 2010 und 8,5 Punkte im Vergleich zum Juni 2009). Das deutet auf eine fortdauernde Erwartungshaltung zu einer künftig eher inflationär geprägten Entwicklung mit Reallohneinbußen hin.

3.2. Gründe für sinkendes Sparvolumen

Gründe für sinkendes Sparvolumen 2/10 1/10 3/09 2/09 1/09 3/08 2/08 1/08 3/07 2/07
Steigende Ausgaben/ Lebenshaltungskosten: 34,4 33,2 33,3 28,9 39,1 49,1 54,0 42,0 44,3 37,9
Fehlende Einkommenssteigerungen/ Einkommenseinbußen: 32,7 38,1 34,5 29,3 27,1 26,9 29,0 27,2 27,0 32,1
Allgemeine politische und wirtschaftliche Situation: 11,8 9,6 10,3 10,2 11,1 11,8 9,2 12,0 4,3 5,6
Berufliche/ Einkommensänderung: 11,7 12,6 10,6 14,7 11,9 5,4 4,0 9,4 7,0 9,2
Sparen macht keinen Sinn: 9,2 9,4 10,0 9,9 8,3 6,8 9,0 7,2 8,2 15,2
Arbeitslosigkeit: 6,9 5,3 7,6 11,6 12,5 4,7 6,2 3,7 5,3 6,5
Größere Anschaffungen: 6,3 4,9 5,2 5,8 6,1 1,7 3,6 4,4 4,9 4,1
Unsichere Altersvorsorge: 6,0 8,8 7,6 8,1 8,9 5,6 4,9 6,1 10,4 5,2
Steigendes Konsumbedürfnis: 6,0 4,2 10,3 4,1 5,5 7,4 5,6 5,3 7,3 8,1
Urlaub: 5,5 3,6 1,0 9,1 5,3 0,2 5,1 6,6 3,1 4,7
Immobilienerwerb/ Modernisierung: 4,6 6,9 5,3 2,9 7,5 3,7 4,3 7,4 7,1 7,1

 

Aktuell gaben die Befragten wie im März 2010 als Hauptgründe für zurückgehende Sparaktivitäten vor allem weiterhin „steigende Lebenshaltungskosten“ (34,4 %) sowie „fehlende Einkommens-steigerungen bzw. Einbußen“ (32,7 %) an. Da das Argument „steigende Lebenshaltungskosten“ nicht die tatsächliche Entwicklung der Preissteigerungsrate widerspiegelt, kommen wieder Empfindungen und Erwartungshaltungen zum Ausdruck, die eine Folge der seit Jahren stagnierenden Löhne, der Zunahme von Beschäftigungsverhältnissen im Niedriglohnsektor und den allgemein unsicheren Zukunftsaussichten sein können. Vor diesem Hintergrund mag mancher den Eindruck haben, er bekomme immer weniger statt mehr Lohn, während „alles um ihn herum immer teurer“ wird, oder die reale Kaufkraft bestenfalls stagniert.

Die weiteren Motive folgen mit großem Abstand und die Veränderungen in den Anteilen der Motive sind relativ gering, sowohl im Vergleich zur Befragung im März 2010 als auch gegenüber den Ergebnissen vom Juni 2009. Nur das Argument „Arbeitslosigkeit“ geht im Jahresvergleich signifikant von 11,6 auf 6,9 % zurück. Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich derzeit robust, was die rückläufigen Anteilswerte erklärt.   

 

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