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Sparklima – Das Sparverhalten der Bundesbürger

KANTAR TNS (vormals: TNS Deutschland GmbH)  fragt drei Mal jährlich im Auftrag des Verbandes der Privaten Bausparkassen seit 1997 die Deutschen nach ihrem Sparverhalten.
Die Ergebnisse der 58. Umfrage im Oktober 2016 liegen nun vor.

Bei dieser repräsentativen Befragung von 2.006 Bundesbürgern wurden folgende Fragen gestellt:

  • Wie ist das bei Ihnen, sparen Sie derzeit für einen bestimmten Zweck?
  • Zu welchem Zweck?
  • Werden Sie in den nächsten Monaten mehr, weniger oder etwa gleich viel sparen?
  • Wie wollen Sie zukünftig Ihr Geld anlegen?

1.   Sparer/Nichtsparer

Zum Jahresende 2016 sparen 44 Prozent der Deutschen für einen bestimmen Zweck. Der Anteil liegt um zwei Prozentpunkte unter dem Wert aus dem Juni 2016 und drei Prozentpunkte unter dem saisonalen Vergleichswert aus dem Oktober 2015.

In den letzten drei Jahren zeigte sich der Anteil der Sparer zum Jahresende entweder stabil oder hat sich zum Jahresende erholt. Dies ist im Jahr 2016 nicht der Fall. Der Anteil der Sparer, die für einen bestimmten Zweck Geld zurücklegen, sinkt zum zweiten Mal in Folge.

2. Sparziele

Sparziele 3/16 2/16 1/16 3/15 2/15 1/15 3/14 2/14 1/14 3/13
Konsum/Anschaffungen
(Autokauf o. ä.):
57,1 55,9 60,6 53,0 55,8 65,0 58,6 56,1 58,5 57,8
Altersvorsorge: 53,5 56,1 59,0 59,8 54,7 61,0 63,6 51,0 60,2 63,7
Erwerb/Renovierung von Wohneigentum: 38,7 44,3 43,4 44,4 42,8 47,6 53,9 46,2 49,8 54,1
Kapitalanlage: 26,4 28,0 30,3 32,0 29,8 32,1 30,7 28,1 32,8 31,7
Notgroschen/Reserve: 4,0 6,9 4,6 4,1 4,2 5,1 6,5 5,4 4,2 4,9
Ausbildung der Kinder: 3,0 3,9 4,9 3,9 4,3 5,7 3,8 3,2 3,9 3,8
Sonstiges: 5,7 5,6 4,7 5,6 6,1 6,5 8,0 7,1 7,0 4,5

(Die Summe dieser Anteile ergibt mehr als 100 Prozent, d. h., es wurden teilweise mehrere Sparziele angegeben.) 

Das Sparmotiv „Konsum“ bestätigt bei einem geringfügigen Anstieg von 1,2 Prozentpunkten das Ergebnis vom Juni 2016. Es ist aktuell das Sparziel, welches mit 57,1 Prozent der Nennungen am häufigsten genannt wird. Die „Altersvorsorge“ wird im Vergleich zum Juni 2016 seltener als Sparmotiv angeführt (-2,6 %-Punkte) und fällt auf den tiefsten Stand seit dem Sommer 2014. Auf Platz drei der Rangliste liegt mit einem deutlichen Rückgang von 5,6 Prozentpunkten das „Wohneigentum“ mit aktuell 38,7 Prozent der Nennungen. Auch im saisonalen Vergleich zum Oktober 2015 bestätigt sich der Rückgang beim Motiv „Wohneigentum“ mit ebenfalls -5,7 Prozentpunkten.

Das Sparmotiv „Wohneigentum“ wird aktuell so selten genannt wie noch nie seit Beginn der Messungen im Sparklima. Hintergrund könnten die gestiegenen Preise für den Erwerb von Wohneigentum sein – der Traum von den eigenen vier Wänden ist da, aber angesichts der Teuerung schwer zu realisieren.

Bei der Kapitalanlage bestätigt sich das Ergebnis vom Juni 2016 und sie wird damit weiterhin von einem Viertel der Bundesbürger als Motiv angeführt.

3. Künftiges Sparverhalten

Auf die Frage hinsichtlich des künftigen Sparverhaltens ergaben sich folgende Antworten
(Anteile in Prozent):

Zukünftiges Sparverhalten 3/16 2/16 1/16 3/15 2/15 1/15 3/14 2/14 1/14 3/13
Mehr: 9,6 8,4 8,5 7,7 6,4 8,7 8,3 6,3 8,8 9,4
Weniger: 9,9 9,9 10,0 9,5 11,7 12,3 11,8 10,7 12,1 11,1
Etwa gleich viel: 73,5 73,3 73,8 74,5 73,4 71,8 72,9 75,9 72,6 72,6
Weiß nicht und keine Angabe: 7,0 8,4 7,7 8,3 8,5 7,2 7,0 7,1 6,5 6,8

Der Anteil derer, die beabsichtigen, zukünftig weniger zu sparen, liegt im Vergleich zum Juni 2016 unverändert bei 9,9 Prozent.  

Nahezu gleichauf mit 9,6 Prozent liegt der Anteil der Bundesbürger, die zukünftig mehr sparen wollen. Im Vergleich zur Vorwelle ein Anstieg von 1,2 Prozentpunkten. Dies deutet – zumindest in der Tendenz – darauf hin, dass die Bundesbürger ihre derzeitige wirtschaftliche Situation aktuell optimistischer einschätzen. 

Es ist weiterhin die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen, die überdurchschnittlich häufig angibt, das Sparvolumen künftig zu erhöhen. Aktuell äußern sich rund 26 Prozent in dieser Zielgruppe entsprechend, der zweite Anstieg um vier Prozentpunkte in Folge. In den östlichen Bundesländern ist mit rund 10 Prozent der Anteil, die sich eine Einschätzung nicht zutrauen, überdurchschnittlich hoch.

Der Anteil der Bundesbürger, die beabsichtigen, an ihrem Sparverhalten nichts zu ändern, ist im Vergleich zum Juni 2016 leicht um 0,2 Prozentpunkte auf aktuell 73,5 Prozent gestiegen. Weiterhin bestätigt sich die Einschätzung der Bundesbürger zum zukünftigen Sparverhalten der vorangegangen Wellen, die in der überwiegenden Mehrheit – trotz der Niedrigzinsphase – ihr zukünftiges Sparverhalten nicht ändern wollen.

3.1. Gründe für steigendes Sparvolumen (Anteile in %)

Gründe für steigendes Sparvolumen 3/16 2/16 1/16 3/15 2/15 1/15 3/14 2/14 1/14 3/13
Berufliche Veränderungen/ Einkommensänderung: 36,6 24,3 16,9 22,3 22,2 28,0 23,0 27,8 26,5 23,7
Allgemeines Sparen für die Zukunft/Notgroschen/Reserve: 16,1 26,3 24,8 20,0 24,6 23,1 21,6 11,3 28,0 29,9
Größere Anschaffungen: 15,2 22,1 23,3 14,1 16,5 18,9 21,9 19,2 22,0 20,3
Steigende Ausgaben: 12,4 12,6 8,4 15,7 6,9 9,7 8,8 15,4 12,3 10,2
Urlaub: 9,9 24,4 16,8 8,5 10,5 19,5 14,8 9,5 13,8 16,8
Steigendes Konsumbedürfnis: 8,7 7,7 11,7 7,0 11,2 14,5 12,8 5,3 12,0 9,2
Immobilienerwerb/ Modernisierung: 8,6 10,6 8,3 4,7 21,6 6,6 16,8 11,0 15,2 21,7
Unsichere Altersvorsorge: 8,2 12,1 8,0 7,5 4,9 9,8 12,2 1,8 9,0 11,8
Fehlende Einkommenssteigerungen/ Einkommenseinbußen: 6,8 4,9 5,5 6,5 4,0 2,1 4,8 4,1 7,0 10,4
Allgemeine wirtschaftliche und politische Situation: 3,7 9,9 6,0 2,7 3,3 6,9 4,2 0,9 7,7 5,6
Arbeitslosigkeit: 0,1 0,5 5,9 2,3 4,8 2,2 0,3 2,6 3,3 4,0

Mit einem deutlichen Anstieg von 12,3 Prozentpunkten im Vergleich zur Vorwelle liegt aktuell das Motiv „Einkommensänderung“ auf Platz eins der Rangliste zur Begründung für ein zukünftig steigendes Sparvolumen. Auf Platz zwei der Motive liegt das Sparziel „Notgroschen“ mit einem – im Vergleich zum Juni 2016 – deutlichen Rückgang auf aktuell 16,1 Prozent der Nennungen (-10,2 %-Punkte). Auf Platz drei folgt mit 15,2 Prozent der Nennungen und einem Rückgang von 6,9 Prozentpunkten zur Vorwelle das Sparziel „größere Anschaffungen“.  

Weitere konsumorientierte Motive werden im Vergleich zum März 2016 entweder unverändert („steigender Konsum“: +1,0 %-Punkt) oder deutlich seltener zur Begründung für ein steigendes Sparvolumen angeführt („Urlaub/Reisen“: -14,5 %-Punkte). 

Eher seltener als noch im Juni 2016 werden Motive zur Begründung herangeführt, die neben dem „Notgroschen“ eine gewisse Unsicherheit der Bundesbürger widerspiegeln („steigende Lebenshaltungskosten“: -0,2 %-Punkte, „unsichere Altersvorsorge“: -3,9 %-Punkte, „wirtschaftspolitische Situation“: -6,2 %-Punkte).

3.2. Gründe für sinkendes Sparvolumen (Anteile in %).

Gründe für sinkendes Sparvolumen 3/16 2/16 1/16 3/15 2/15 1/15 3/14 2/14 1/14 3/13
Steigende Ausgaben/ Lebenshaltungskosten: 22,5 32,3 28,8 24,5 25,3 24,9 29,0 19,1 21,7 26,5
Allgemeine politische und wirtschaftliche Situation: 13,6 9,7 8,5 13,5 11,6 11,1 8,1 14,0 10,2 10,6
Fehlende Einkommenssteigerungen/ Einkommenseinbußen: 12,9 17,9 21,2 15,6 22,0 15,1 16,7 24,4 32,0 14,3
Steigendes Konsumbedürfnis: 12,6 5,0 3,5 12,8 6,2 8,5 14,7 6,1 7,1 13,7
Sparen macht keinen Sinn: 11,4 15,6 10,6 9,2 16,9 16,5 13,5 14,1 17,6 15,2
Immobilienerwerb/ Modernisierung: 10,0 7,5 10,5 2,6 9,9 4,7 6,0 7,2 4,6 6,0
Berufliche/ Einkommensänderung: 6,9 6,9 12,3 5,0 12,1 15,4 12,9 6,8 7,4 11,9
Unsichere Altersvorsorge: 6,3 11,1 12,0 9,2 7,5 7,0 8,8 7,9 11,8 9,8
Arbeitslosigkeit: 4,4 14,2 1,4 7,3 5,3 5,5 2,3 6,3 8,4 5,2
Größere Anschaffungen: 3,6 3,8 6,6 8,5 4,0 8,8 7,8 10,4 3,4 7,0
Urlaub: 3,2 13,3 11,4 2,4 6,5 7,9 1,8 10,3 4,1 3,1

Auf Platz eins der Begründungen für ein sinkendes Sparvolumen liegen im Oktober 2016 weiterhin die „steigenden Ausgaben / Lebenshaltungskosten“ (-9,8 %-Punkte). Trotz des deutlichen Rückgangs ist es weiterhin mit aktuell 22,5 Prozent der Nennungen die Begründung, die am häufigsten für eine sinkende Sparaktivität genannt wird. Auf Platz zwei rückt die „allgemeine politische/wirtschaftliche Situation“ vor, mit einem Anstieg von 3,9 Prozentpunkten im Vergleich zum Juni 2016. Die „Fehlende Einkommenssteigerung“ (-5,0 %-Punkte) wird zum zweiten Mal in Folge eher seltener zur Begründung herangeführt.  

Bei den konsumorientierten Motiven sind die Änderungen im Vergleich zur Vorwelle eher uneinheitlich („Urlaub/Reisen“ (-10,1 %-Punkte), „Immobilienerwerb / Renovierung“ (+2,5 % Punkte), „steigender Konsum“: +7,6 %-Punkte).

Nach dem überraschend deutlichen Anstieg in der Begründung „Arbeitslosigkeit“ im Juni 2016 auf 14,2 Prozent liegt die „Arbeitslosigkeit“ aktuell mit 4,4 Prozent wieder auf einem deutlich niedrigeren Niveau in der Begründung für ein geringeres Sparvolumen (-9,8 %-Punkte).

4. Ausblick

Der Anteil der Zwecksparer ist zum Ende des Jahres 2016 zum zweiten Mal in Folge leicht zurückgegangen. Er liegt mit aktuell 46 Prozent etwas unter dem Niveau der Vorwelle und drei Prozentpunkte unter dem Vergleichswert aus dem Oktober 2015. Auch wenn wir aus der Umfrage im Oktober 2015 zu den Auswirkungen der Niedrigzinspolitik wissen, dass Sparen für die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger wichtig bleibt, so deuten die Ergebnisse im aktuellen Sparklima darauf hin, dass Sparen an sich für die Bundesbürger an Reiz verliert.

Die Ergebnisse im aktuellen Sparklima belegen die These, dass die Bundesbürger ihre derzeitige wirtschaftliche Situation aktuell optimistischer einschätzen. Insbesondere in den östlichen Bundesländern aber sind die Bundesbürger weiterhin unsicher, ob sie auch zukünftig noch in der Lage sein werden, in dem gewünschten Umfang zu sparen.

Die niedrigen Zinsen, Ergebnis der expansiven Geldpolitik der EZB, sind immer stärker im Bewusstsein der Sparer verankert. Gerade junge Sparer wachsen in einer Zeit heran, in der es nur niedrige Zinsen gibt. Das äußert sich immer stärker bei den Sparmotiven, unter denen zweckgerichtetes Vorsparen oder Sparen fürs Alter immer weniger Bedeutung haben.

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Alexander Nothaft
Leiter Kommunikation
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